Tankstellen (2008 - 2013)

Die bisher umfangreichste Fotoserie umfasst ca. 250 Fotos von um- oder ungenutzten Tankstellen. Die Gründe für die Beendigung des Tankstellenbetriebs sind und waren sehr unterschiedlich. Viele mussten sich dem ökonomischen Wandel ergeben, andere konnten gesetzlich vorgeschriebene Neuerungen nicht erfüllen, oder der Betrieb lohnte nicht mehr. An ehemaligen Bundesstraßen herrschte früher reger Verkehr und mit zunehmendem Ausbau der deutschen Autobahnstrecken liegen viele der ehemaligen Hauptverkehrs- und Tourismusstraßen heute nahezu brach.

Einige der Tankstellen waren, und sind, sowohl nach statischen als auch gestalterischen Gesichtspunkten herausragende Bauwerke. Doch nur wenige können denkmalpflegerisch geschützt werden. Die logische Konsequenz ist entweder ein Abriss oder eine Umnutzung der Gebäude. Genau diese Neunutzungen, oder auch den bloßen Leerstand, verfolgt Liptau in seinen Fotografien und macht deutlich wie unterschiedlich diese sein können; von der Kunstgalerie über afrikanische Restaurants, Beerdigungsinstitute oder Schnellrestaurants wird das ganze Spektrum der neuen Verwendungsformen sichtbar. Diese Tatsache birgt nicht selten eine gewisse Komik in sich. Zeitgleich schwingt aber auch ein undefinierbarer melancholischer Unterton mit. Die direkte Konfrontation mit der Vergänglichkeit der eigenen Umwelt fordert die Betrachter*innen zum Nachdenken heraus. Die große Masse an dokumentarischen Bildern, die alle sofern möglich in Zentralperspektive aufgenommen wurden, verschärft diese Tatsache. 

Heute, mehr als zehn Jahre nach der Serie sind wohl viele der abgebildeten Situationen auch schon wieder Geschichte, sind abgebrochen, oder haben eine weitere Nutzung erfahren.